Die Bewerbung um das UNESCO-Welterbe



Die Begründung des außergewöhnlichen universellen Wertes der Ausstattung

Aussagefähige Unterlagen zur Bewerbung wurden durch zwei Fachautoren und die Doberaner Arbeitsgruppe zusammengestellt. Dazu gehört eine Beschreibung des zu beantragten Gutes, die Begründung des außergewöhnlichen universellen Wertes, die Benennung der von der UNESCO geforderten Kriterien, die erfüllt werden, und eine vergleichende Analyse. Aus diesen Unterlagen werden hier wichtige Bestandteile vorgestellt:

Beschreibung des zu beantragten
Gutes Die Klosterkirche von Doberan hat ihre hochgotische Ausstattung des 13./14. Jahrhunderts in singulärer Weise bewahrt. Der Mönchschor verfügt mit Hochaltarretabel, Sakramentsturm, Chorgestühl und Levitenstuhl, Kelch- und Kredenzschrank bis heute über seine wichtigsten Funktionselemente, ebenso der Konversenchor mit doppelseitigem Kreuzaltar, Triumphkreuz und Chorgestühl der Konversen. Zahlreiche Nebenretabel sind ebenso erhalten wie das Zifferblatt der mittelalterlichen astronomischen Uhr und ein aufwändig geschnitzter Marienleuchter. Die neben den liturgischen Anforderungen zweite zentrale Funktion einer Kirche als Begräbnisstätte ranghoher Persönlichkeiten ist durch das Grabmal der Königin Margarete von Dänemark und zahlreiche weitere Dynastengrabmäler dokumentiert. Sie belegen die dauerhafte Bedeutung und nachhaltige Wertschätzung des Ortes.

Begründung des außergewöhnlichen universellen Wertes
Doberan bietet als einzige hochmittelalterliche Klosterkirche Europas die Möglichkeit, eine komplexe Kirchenausstattung in ihrer Gesamtheit zu erfahren, eingefügt in eine Architektur von kathedralem Anspruch, ausgeführt auf höchstem künstlerischen Niveau und mit sehr origineller Ikonographie. Teilweise handelt es sich um die ältesten bekannten Funktionselemente überhaupt, teilweise um einmalige Lösungen. Doberan ist das am besten erhaltene und damit zentrale Denkmal der kulturellen Erschließung des Ostseeraums im Mittelalter, gleichsam ein Schnittpunkt zwischen dem westlichen und östlichen Europa. In ihr verbindet sich in singulärer Weise die religiös-monastische Kultur der Reformorden mit fürstlicher Repräsentation im hochmittelalterlichen Europa.

Kriterien für das Welterbe der UNESCO, die erfüllt werden

Kriterium I:
Ein Meisterwerk der menschlichen Schöpfungskraft darstellen

Einige herausragende Stücke der Doberaner Münsterausstattung gehören zu den frühesten bekannten Exemplaren von Funktionselementen, die später zum Bestandteil jeder anspruchsvollen Kirche wurden, so das Flügelretabel des Hochaltars und der Sakramentsturm. Andere Teile wie der Kelch- und der Kredenzschrank sind Elemente, die es sicher häufiger gegeben hat, die aber nur in ganz seltenen Ausnahmefällen erhalten blieben – für den Kredenzschrank existiert überhaupt keine Parallele. Der mit dem monumentalen Triumphkreuz verbundene doppelseitige Kreuzaltar ist unter den erhaltenen Denkmälern völlig einzigartig und war es nach unserer Kenntnis auch schon in seiner Entstehungszeit. Die künstlerische Qualität und die komplexe theologische Bildwelt aller Ausstattungsstücke stehen auf dem höchsten zeitgenössischen Niveau. Die Ausstattung von Doberan dokumentiert in diesen innovativen, teils singulären Einzelelementen bedeutende schöpferische Kraft.

Kriterium II:
Für einen Zeitraum oder in einem Kulturgebiet der Erde einen bedeutenden Schnittpunkt menschlicher Werte in Bezug auf die Entwicklung der Architektur oder Technik, der Großplastik, des Städtebaus oder der Landschaftsgestaltung aufzeigen

Die in Doberan überlieferte, künstlerisch hoch bedeutende Ausstattung mit Skulpturen und Malereien des 13. und 14. Jahrhunderts stellt das am besten erhaltene Monument der kulturellen Erschließung des Ostseeraums im Mittelalter dar. Die Zugehörigkeit Doberans zur Sphäre des Reformordens der Zisterzienser bestimmte seine Vermittlerrolle an der Schnittstelle zwischen den alten Zivilisationszentren im Westen Europas und neu entstehenden Zentren im Osten (z.B. Pelplin/Polen, eine Tochtergründung Doberans). Die Reformorden prägten die Kultur des Ostseeraums maßgeblich und nachhaltig durch einen Kulturtransfer transnationalen Ausmaßes, den die Ausstattung von Doberan in einzigartiger Weise dokumentiert.

Kriterium III:
Ein einzigartiges Zeugnis von einer kulturellen Tradition oder einer bestehenden oder untergegangenen Kultur darstellen

In der Ausstattung bedeutender Kirchenbauten kulminiert die künstlerische Leistung des europäischen Hochmittelalters. Dabei ist die Architektur ohne ihre zeitgenössische Ausstattung nur unzureichend zu verstehen. Diese ist nicht bloßer Schmuck, sondern existentiell, da erst die Ausstattung die Funktionsfähigkeit einer Kirche gewährleistet. Alle Bildelemente einer Kirchenausstattung spielten in ihrem räumlichen Kontext funktional und ästhetisch zusammen, bildeten einen gewachsenen Kosmos, ein Ensemble, dessen Einzelzeile untrennbar mit einander verwoben waren. Die meisten mittelalterlichen Klosterkirchen existieren heute nur noch als architektonische Hülle, von der originalen Ausstattung sind lediglich einzelne Elemente wie Skulpturen, Grabmäler, Glas-, Wand- oder Tafelmalereien oder auch eine Raumfassung erhalten, kaum je aber Beispiele aller dieser Medien konzentriert an einem Ort. In Doberan jedoch ist das originale komplexe Beziehungsgeflecht der reich dekorierten Funktionsräume in einzigartiger Weise und unmittelbar anschaulich erlebbar. Ohne Vergleich ist auch der durchgehende thematische Schwerpunkt der Bildthemen auf der Sakramentsfrömmigkeit mit der Verehrung des Leibes Christi, dem zentralen christlichen Heilserlebnis. Die Ausstattung entstand in der Blütezeit des Zisterzienserordens, der mit mehr als 700 Niederlassungen in ganz Europa vertreten war und zu den wichtigsten abendländischen Kulturträgern gehörte. Doch nicht nur im Zisterzienserorden ist die Ausstattung Doberans singulär, sondern auch in den übrigen geistlichen Orden. Es ist in Europa kein weiterer Denkmalkomplex der Hochgotik bekannt, der in ähnlicher Vollständigkeit und Qualität die kulturelle Tradition eines solchen Ordens dokumentiert. In ihrer Geschlossenheit ist die Ausstattung Doberans weit mehr als nur die Summe ihrer schon für sich genommen hochbedeutenden Einzelteile. Gutachter: Prof. Dr. Gerhard Weilandt (Greifswald)

 

 

 

 

 

Mehr Infos und Fotos von Martin Heider, Münsterverwaltung, auf der Münsterhomepage
http://www.muenster-doberan.de/index.php?id=268
Tel 038203 62843   |   info@klosterverein-doberan.de